Insight · Webinar 22.04.2026 · n = 776

Was 776 Menschen über ihren Arbeitsalltag verraten

Im April 2026 saßen 776 Menschen aus Stiftungen, NGOs und Unternehmen in einem virtuellen Saal und beantworteten vier Fragen zu ihrem Alltag. Die Antworten ergeben ein klares Bild – und es ist nicht das, das wir normalerweise erzählen, wenn es um Produktivität geht.

Kontext

Vier Fragen, eine Erkenntnis

Am 22. April 2026 haben wir mit dem Haus des Stiftens das Webinar „Raus aus dem Chaos – zurück zu Klarheit und Fokus" durchgeführt. 1.373 Menschen haben den Anmeldelink geklickt, 1.082 haben sich angemeldet, 776 waren live dabei. Während der Stunde haben wir vier Fragen gestellt – jede mit zwischen 569 und 675 Antworten.

Was die Daten zeigen, ist auf den ersten Blick keine Überraschung: Menschen fühlen sich überlastet. Auf den zweiten Blick stecken in den Antworten aber Hinweise, die das übliche Narrativ über Produktivität ziemlich deutlich infrage stellen. Vor allem die Frage warum Menschen so viel auf sich nehmen, hat eine andere Antwort als die, die in Ratgeberbüchern üblicherweise gegeben wird.

Reichweite

Eine belastbare Stichprobe

Vier Umfragen, je zwischen 569 und 675 Antworten, in einer einzigen Live-Sitzung erhoben. Selbstauskünfte – mit allen Einschränkungen, die das mitbringt – aber durch die schiere Größe und den engen Zeitrahmen überraschend deutlich.

1.373Klicks auf Anmeldung
1.082Anmeldungen
776Live-Teilnehmende
~675Ø Antworten je Umfrage
Befund 1 · Das Symptom

Die To-Do-Liste gewinnt das Rennen

Knapp jede zweite Person beschreibt ihren Alltag mit einem einzigen Satz: Die To-Do-Liste wächst schneller, als sie sich abarbeiten lässt. Weitere 24 Prozent sagen: „Ich weiß, was wichtig ist – komme nie dazu, daran zu arbeiten." Zusammen sind das 73 Prozent, die mit der Lücke zwischen Wollen und Können leben.

Das ist die alltägliche Erfahrung, die Menschen in Workshops mitbringen. Sie wird oft als persönliches Versagen erlebt – als hätte man einfach nicht genug Disziplin. Die Daten zeigen aber: Es ist die Mehrheit. Und wenn etwas die Mehrheit betrifft, ist es kein individuelles Problem, sondern ein strukturelles.

Frage 1 569 Antworten

Was beschreibt deinen Alltag aktuell am besten?

  • 12,7 % Ich sage zu oft Ja & arbeite dann die Prioritäten anderer ab 72
  • 48,7 % To-Do-Liste wächst schneller, als ich sie abarbeiten kann 277
  • 24,4 % Ich weiß, was wichtig ist – komme nie dazu, daran zu arbeiten 139
  • 14,2 % Erschöpfung am Abend, ohne Gefühl, etwas geschafft zu haben 81

Knapp jede zweite Person erlebt täglich, dass die To-Do-Liste schneller wächst als sie abgearbeitet wird – das ist kein Disziplinproblem, sondern ein Systemproblem.

Befund 2 · Die Wurzel

Es ist nicht People-Pleasing

Die übliche Erklärung dafür, warum Menschen sich überladen, lautet: „Sie können nicht Nein sagen, sie wollen niemanden enttäuschen." Diese Antwort kommt in unseren Daten – aber sie kommt mit 23,5 Prozent nur an dritter Stelle.

Der mit Abstand häufigste Grund, warum Menschen Ja sagen, ist ein ganz anderer: 55,5 Prozent denken, sie schaffen es schon irgendwie. Das ist keine Höflichkeit. Das ist Selbstüberschätzung – und zwar systematisch. In der Forschung kennen wir das als Planning Fallacy: Menschen unterschätzen regelmäßig, wie lange Aufgaben dauern werden.

Diese Verschiebung ist wichtig. Wenn das Hauptproblem People-Pleasing wäre, wäre die Lösung Grenzen-Setzen-Training. Wenn das Hauptproblem Selbstüberschätzung ist, ist die Lösung etwas völlig anderes: realistische Kapazitätsplanung, WIP-Limits, sichtbare Auslastung. Es geht nicht um Mut, sondern um Mathematik.

Frage 2 667 Antworten

Wenn du ehrlich bist: Warum sagst du so oft JA?

  • 23,5 % Ich will niemanden enttäuschen 157
  • 55,5 % Ich denke, ich schaffe es schon irgendwie 370
  • 13,0 % Ich habe Angst, eine Chance zu verpassen 87
  • 8,0 % Ich weiß gar nicht, wie ich NEIN sagen soll 53

Über die Hälfte überschätzt regelmäßig die eigene Kapazität. Das ist die Wurzel der meisten Überlastung – und gleichzeitig der erste Hebel zur Veränderung.

Befund 3 · Das Strukturproblem

Listen ohne Rhythmus tragen nicht

Wenn Selbstüberschätzung die Wurzel ist, dann ist die fehlende Struktur der Verstärker. 59,1 Prozent beschreiben ihre Wochenplanung so: „Ich habe eine To-Do-Liste, aber keinen festen Rhythmus." Weitere 24,4 Prozent planen zwar, halten sich aber selten daran.

Anders gesagt: Über 90 Prozent arbeiten ohne tragfähigen Rhythmus. Nur 9,2 Prozent haben feste Fokuszeiten – und diese Gruppe gibt an, dass es bei ihr funktioniert. Das ist keine Charakterfrage. Das ist eine Strukturfrage. Wer plant, ohne den Plan mit Zeit zu verbinden, hat keine Planung – nur einen Wunsch.

Genau deshalb arbeiten wir im Workshop nicht mit längeren Listen, sondern mit kürzeren Zyklen. Der 14-Tage-Herzschlag ist kein Produktivitäts-Hack, sondern ein Versuch, die 9 Prozent zur Mehrheit zu machen.

Frage 3 675 Antworten

Wie planst du aktuell deine Woche?

  • 7,3 % Gar nicht – ich reagiere auf das, was kommt 49
  • 59,1 % Ich habe eine To-Do-Liste, aber keinen festen Rhythmus 399
  • 24,4 % Ich plane, aber halte mich selten daran 165
  • 9,2 % Ich habe feste Fokuszeiten – die funktionieren auch 62

Nur jede:r zehnte Teilnehmer:in hat einen Rhythmus, der trägt. Die gute Nachricht: Genau dieser Rhythmus lässt sich in 14 Tagen aufbauen.

Befund 4 · Der Wendepunkt

Wenn aus Wissen Veränderung wird

Am Ende des Webinars haben wir gefragt, was die Teilnehmenden zuerst mitnehmen. Die Antwort hat mich selbst überrascht: 77 Prozent wollen sofort eine konkrete Routine ändern – entweder „Den Frosch" am Morgen umsetzen (34,1 %) oder den Kalender umbauen und Fokuszeiten eintragen (43,0 %).

Nur 7,9 Prozent wollen ausgerechnet das tun, was wir kulturell als „die richtige Antwort" gelernt haben: NEIN sagen üben. Das passt zum zweiten Befund: Wenn die eigentliche Wurzel nicht People-Pleasing ist, dann ist NEIN-Üben auch nicht die wirksamste erste Aktion. Menschen spüren das offenbar selbst.

15 Prozent wollen den KI-Prompt ausprobieren – ein Hinweis darauf, dass die Bereitschaft, KI als persönlichen Coach einzusetzen, in dieser Zielgruppe bereits jenseits des Hype-Stadiums angekommen ist.

Frage 4 610 Antworten

Was nimmst du heute als erstes mit?

  • 34,1 % Den Frosch – ich fange morgen früh damit an 208
  • 7,9 % NEIN sagen üben – eine Sache diese Woche ablehnen 48
  • 43,0 % Meinen Kalender umbauen – Fokuszeiten eintragen 262
  • 15,1 % Den KI-Prompt ausprobieren – morgen früh 92

77 % der Teilnehmenden wollen sofort eine konkrete Routine ändern – Frosch oder Kalender. Das ist der Moment, in dem aus Wissen Veränderung wird.

Schlussfolgerung

Drei Konsequenzen

Erstens: Hör auf, dich selbst zu beschuldigen, wenn die To-Do-Liste wächst. Das ist kein Disziplinproblem, sondern ein Mengenproblem in Kombination mit fehlender Struktur. Die Mehrheit erlebt dasselbe – und es liegt nicht daran, dass die Mehrheit faul ist.

Zweitens: Wenn du Ja sagst, weil du denkst, du schaffst es schon irgendwie – dann ist die Lösung nicht NEIN-Sagen üben, sondern realistische Kapazität messen. Trag eine Woche lang ein, wie lange Aufgaben tatsächlich dauern. Du wirst überrascht sein. Diese Daten sind die Grundlage, auf der saubere Zusagen erst möglich werden.

Drittens: Eine To-Do-Liste ohne Rhythmus ist eine Wunschliste. Wenn du in den 9 Prozent landen willst, deren Rhythmus trägt, brauchst du zwei Dinge: einen Block im Kalender, der unverhandelbar ist, und einen kurzen Review-Zyklus, der dich auf Kurs hält. Nicht 365 Tage Vorsatz – 14 Tage Herzschlag.

Stimmen aus dem Webinar

Was Teilnehmende danach geschrieben haben

Webinar
„Sehr informativ und authentisch!“
Julia M.Dezember 2025
Webinar
„Vielen Dank für Ideen, Klarheit und Beispiele!“
Jasmin S.Webinar-TeilnehmerinDezember 2025
Webinar
„War inspirierend und sympathisch nah.“
Monika D.Webinar-TeilnehmerinDezember 2025
Webinar
„Super Impulse – toll präsentiert.“
Babett R.Dezember 2025
Webinar
„Vielen Dank für die ganz konkreten Ansatzpunkte und die ehrlichen Beispiele.“
Laura B.Dezember 2025
Webinar
„Sensationelles Webinar, ich räume direkt meine To-dos auf!“
Carmen H.Webinar-TeilnehmerinDezember 2025
Webinar
„Sehr hilfreiche Tipps und super auf den Punkt gebracht. Ich werde in deinen Podcast reinhören.“
Alessa B.Dezember 2025
Webinar
„Sehr interessant, ich nehme ganz viel mit!“
Tanja K.Webinar-TeilnehmerinDezember 2025

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