Insight · 29. April 2026 · 5 Min. Lesezeit

Heicos Atemtechnik: Wie du Stress reguliert, bevor du dich selbst erwischst

Stress macht man sich selbst. Heico Koch (Serial-Gründer) reguliert ihn mit drei bewussten Atemzügen. So integrierst du es in deinen Führungsalltag.

Werkzeug der Woche #3. Drei Atemzüge. Mehr nicht. Aus Folge 12 des Podcasts „Radical Self-Leadership to go” mit Heico Koch.

Heicos Erkenntnis

Heico Koch hat in den letzten 25 Jahren mehrere Internetfirmen gegründet. Beratung. Aufbauphasen. Skalierung. Die Belastungstypen sind ihm bekannt. Im Podcast hat er einen Satz gesagt, den ich seitdem oft zitiert habe:

„Ich habe irgendwann verstanden gelernt, dass Stress oder Momente, die ungut sind, dass ich mir die selber mache. Die kommen nicht von außen.”

Das ist eine Behauptung, die provoziert. Natürlich kommen die Trigger von außen — der Anruf, die Mail, der Konflikt. Was aber von innen kommt, ist die Reaktion. Die Spirale. Die kognitive Eskalation, die einen für die nächsten zwanzig Minuten nicht mehr klar denken lässt.

Heicos Lifehack ist embarrassing einfach. Er atmet.

Die Technik in 30 Sekunden

Drei Atemzüge:

  1. Einatmen durch die Nase — gut 4 Sekunden, in den Bauch (nicht in die Brust). Schultern bleiben unten.
  2. Ausatmen durch die Nase oder leicht geöffneten Mund — 6 bis 8 Sekunden. Länger als die Einatmung. Bauch wird wieder leer.
  3. Wiederholen — drei Mal. Mehr nicht.

Die Physiologie dahinter ist nicht spirituell. Längere Ausatmung aktiviert den Vagus-Nerv, was den Sympathikus (Stress-System) drosselt und den Parasympathikus (Beruhigungs-System) hochregelt. Puls sinkt. Klarheit kommt zurück. In 30 Sekunden.

Mit Wiederholung wird die Technik zum Automatismus. Du musst nicht mehr daran denken — sie greift, bevor du dich selbst in der Spirale erwischt hast.

Die schwierigere Hälfte: Die Antenne

Atmen kann jeder. Schwieriger ist die Erkenntnis, wann du atmen solltest.

Heicos Empfehlung: Die Antenne entwickeln. Bemerken, wann du anfängst, dich selbst hochzuziehen. Typische Signale:

  • Du atmest plötzlich flach in die Brust statt tief in den Bauch
  • Deine Schultern ziehen sich hoch
  • Du formulierst innerlich Sätze, die du dem Trigger sagen willst
  • Dein Tempo wird hektisch — am Tippen, am Sprechen, am Denken

Wenn eines davon eintritt — drei Atemzüge. Dann erst reagieren.

Der 14-Tage-Selbstversuch

Tag 1: Die Technik einmal ausprobieren, in Ruhe. Damit dein Körper sie kennt.

Tag 2–4: Drei Trigger pro Tag identifizieren — Momente, in denen du gespürt hast, dass es eng wird. Notieren, was es war (kurze Stichworte reichen).

Tag 5–10: Vor dem dritten erkannten Trigger pro Tag einmal die Atemtechnik einsetzen. Bewusst. Mehr nicht — nicht versuchen, alles zu regulieren. Nur den dritten.

Tag 11–14: Frequenz erhöhen. Wann immer du das Signal in dir bemerkst, drei Atemzüge.

Tag 15: Reflektieren. Wie haben sich die Trigger verändert? Bist du häufiger reguliert geblieben? Welche Trigger sind „weggeschmolzen”?

Erfahrungsgemäß merken die meisten Menschen den Unterschied zwischen Tag 5 und Tag 10 deutlich — die Technik ist dann genug eingeübt, dass sie ohne Anstrengung greift.

Heicos Begleitsatz

Im Podcast hat Heico noch einen Satz fallen lassen, der das Ganze einrahmt:

„Das war so ein Hack — der ein Gamechanger war und ist. Ich brauche ihn täglich mehrfach.”

Das ist die unaufgeregte Variante einer Selbstführungs-Erfahrung. Kein „mein Leben hat sich verändert”. Kein „nach einer Woche war alles anders”. Stattdessen: Ich brauche ihn täglich mehrfach. Selbstführung in der Routine.

Wo das hinpasst

Die Atemtechnik ist ein Mikro-Werkzeug für die Phase Anpassen im rADAR-Modell. Im Maßstab eines Tages bedeutet „Anpassen”, den Plan zu korrigieren, wenn etwas Unerwartetes passiert. Im Maßstab eines Atemzugs ist es derselbe Mechanismus — nur kleiner. Beides Selbstführung.

Im RSL-Workshop „Intensiv” gehen wir mit Teilnehmenden eine erweiterte Version dieser Technik durch — mit konkreten Trigger-Patterns aus ihrem eigenen Führungsalltag. Wer Selbstregulation systematisch lernen will, nicht nur einzelne Atemtechniken, der ist hier richtig.

Hör die ganze Folge

Die Folge mit Heico Koch — über Stress als Eigenproduktion, Leichtigkeit als Führungsprinzip und seine SaaS-Gründung 2024 — gibt es im Podcast Radical Self-Leadership to go.


Nächste Woche in der Werkzeug-der-Woche-Serie: Daniels Top-3-Kalenderblocker — wie ein Gründer Familie, Job und Sport mit derselben Ernsthaftigkeit ins Kalender-System holt.

Häufige Fragen

FAQ — Heicos Atemtechnik

Welche Atemtechnik ist für Stress am effektivsten?

Eine, bei der die Ausatmung deutlich länger ist als die Einatmung — z.B. 4 Sekunden ein, 6 oder 8 Sekunden aus. Atmung durch die Nase, in den Bauch (nicht in die Brust). Heico Koch aus dem Podcast nutzt genau dieses Muster, nur drei Atemzüge pro Anwendung. Die Wirkung ist nicht meditativ — sie ist physiologisch: Längere Ausatmung aktiviert den Vagus-Nerv und senkt den Puls.

Wann mache ich das genau?

Bei den ersten Anzeichen, dass es „eng” wird. Heicos Schlüsselsatz: „Antenne entwickeln, dass man sich Stress selber macht.” Typische Trigger: Eine E-Mail mit unangenehmem Tonfall. Ein Anruf, der reinkommt, während du fokussiert bist. Ein Meeting, das aus dem Ruder läuft. Drei Atemzüge — dann erst reagieren.

Reicht eine Atemtechnik gegen Burnout?

Nein. Atemtechnik reguliert den akuten Moment — die strukturellen Treiber von Burnout (zu viel Last, fehlende Pausen, fehlende Selbstführung) müssen eigenständig adressiert werden. Aber: Wer den akuten Moment regulieren kann, hat eine Reserve, die sonst aufgebraucht wäre. Es ist eines von mehreren Werkzeugen, nicht das einzige.

Kann das auch in einem Meeting machen?

Ja — und zwar unsichtbar. Drei tiefe Atemzüge dauern ungefähr 30 Sekunden. Niemand merkt, dass du gerade reguliert hast. Du bemerkst es nur selbst — an einer ruhigeren Reaktion auf das, was im Meeting gerade passiert.

Wie hängt das mit dem rADAR-Modell zusammen?

Atemtechnik ist ein Mikro-Werkzeug für die Phase „Anpassen” im rADAR-Zyklus. Du erkennst eine Spannung — und passt deine Reaktion an, bevor du reaktiv wirst. Im Maßstab eines Tages ist „Anpassen” eine bewusste Korrektur; im Maßstab eines Atemzugs ist es derselbe Mechanismus, nur kleiner.

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